Über

Ich heiße Ragna Spargel, bin 28 Jahre alt, Soziologin, Studentin der Sozialen Arbeit und als Abschlussprojekt meiner Weiterbildung zur Sexualpädagogin habe ich beschlossen mich dem Thema Pornografie im Rahmen einer eigenen Pornoproduktion zu nähern.
Nachdem mich das Thema schon seit geraumer Zeit beschäftigt hat, konnte meine Weiterbildung dem Ganzen nochmal eine fundierte Perspektive hinzufügen, auf der ich viele Diskussionen zu Haltungsfragen aufgebaut habe, in denen ich immer wieder zu der gleichen Erkenntnis gekommen bin.

Wir alle konsumieren Pornos, lieben tun wir sie jedoch nicht.

Pornografie ist eine gesellschaftliche Konstante und aus dem Alltag der meisten Menschen kaum wegzudenken. Während die Tatsache an sich in keinster Weise zu verurteilen ist, macht es doch Sinn, die Bilder des Mainstream-Pornos genauer zu betrachten und zu reflektieren, was genau wir dort eigentlich konsumieren, quasi zu uns nehmen, genau wie bei jedem anderen Produkt auch.

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Die alternative Porno-Produzentin Erika Lust betont die Wichtigkeit dieses Reflexionsprozesses seit Jahren: genau wie wir viel bewusster unseren Konsum von Nahrungsmitteln und Kleidung, von Energie und Transport gestalten und auf Herstellungsverhältnisse und Qualität der Produkte achten, sollte man vielleicht anfangen, auch in der Pornografie großflächig alternative Angebote zu schaffen.
Denn der Mainstream-Porno bildet immer noch wenig Diversität ab. Er ist immer noch oft stark sexistisch und zeichnet starre, verzerrte Geschlechterrollen, die reflektiert werden sollen, da sie Ungleichheiten und Privilegien zementieren. Noch immer ist der heterosexuelle, auf binären Geschlechtervorstellungen basierende Cis-Porno das vorherrschende Medium, Homosexualitäten, genau wie Interkulturalitäten, werden fetischisiert und für einen kurzen Moment der Stimulation pseudo-toleriert. Der Großteil der im Mainstream-Porno dargestellten Körper ist gestählt, makellos und entspricht dem absurden gesellschaftlichen Konsens zu Idealmaßen. Es wird vermittelt, dass guter Sex einer ganz bestimmten Choreografie folgt, in welcher authentische zwischenmenschliche Momente selten Platz finden, Kommunikation sich auf Floskeln beschränkt und die Ejakulation des Mannes – meist im Gesicht der Frau – das große Finale bildet.

Und auch wenn Pornografie ein Kunstprodukt mit absoluter Daseinsberechtigung ist und wir stetig betonen, uns für reflektierte erwachsene Menschen zu halten, die sich davon abzugrenzen wissen – so ist selbstbewusste weibliche Lust immer noch ein gesellschaftliches Tabu-Thema, ist toxische Männlichkeit eine große zwischenmenschliche Blockade auf vielen Ebenen, schämen wir uns für unsere Körper und grenzen Schönheits-Operationen im Intimbereich mittlerweile an Nasen-Operationen in punkto Häufigkeit heran. Das alles wirft viele Fragen über die Korrelation von Pornografie, beziehungsweise sexualisierten Medienkonsum generell, und unserer Haltung zu Sexualität auf.
Wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, dass der momentane durchschnittliche Erstkontakt mit Hardcore-Pornografie bei Heranwachsenden im Alter von acht Jahren stattfindet, erübrigt sich die Frage nach der Wichtigkeit einer Umgestaltung der Porno-Landschaft. Vielleicht ist es in einer Gesellschaft, in welcher die heranwachsenden Generationen als Digital Natives groß werden, umso wichtiger, neben offener Aufklärung und sexualpädagogischen Angeboten auch das Produkt selber langfristig so zu verändern, dass wir es mit gutem Gewissen konsumieren können, weil es eine queer-feministische, körperpositive Grundhaltung und einen starken Konsens-Gedanken vertritt und fair für alle Beteiligten produziert wurde. Dass Pornografie zu etwas wird, das einen nicht wie ein Fast-Food-Burger nach einer Heißhunger-Attacke mit Schuldgefühlen und Bauchschmerzen zurücklässt, sondern nährt, inspiriert und empowered.

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An diesem Punkt setzt cum as you are an.

Das Projekt ist in zwei Phasen aufgeteilt. Zuerst findet eine sexualpädagogisch begleitete Thematisierung inhaltlicher Aspekte der Mainstream-Pornografie, beziehungsweise eine Dekonstruktion der dort vermittelten Bilder statt.

Auf dem dort Erarbeiteten baut der Pornodreh auf. Das Film-Team, welches sich in Kooperation mit dem Frauen*kollektiv Münster formiert hat, steht bereits. Zwei Filmerinnen, eine Ton- und Lichttechnikerin, eine Produktionsassistentin, ein bis zwei Personen für Continuity-Abläufe und ein Best Girl stehen mir bei meinem Vorhaben zur Seite.

Der August soll dazu da sein, Darstellerinnen und Darsteller zu finden, die Lust haben sich in das Projekt einzubringen. Gesucht werden Menschen, die offen dafür sind, sich mit einer alternativen Perspektive auf Pornografie auseinanderzusetzen. Alter, Geschlecht und Sexualität, sowie selbstverständlicher Weise Herkunft, sind hierbei völlig nebensächlich. Wir freuen uns über jede Interessierte und jeden Interessierten. Eure sexuellen Wünsche und Phantasien bilden die Basis für das Drehbuch, ob „Blümchensex“ oder Fetisch, Komfortzone oder Neues ausprobieren, wir wollen jedem Bedürfnis mit Wertschätzung begegnen und wenn möglich versuchen, allem einen Raum zu geben. Im Vordergrund steht, dass sich alle Teilnehmenden von Anfang bis Ende wohlfühlen. Wir sehen die Produktion des Projektes als sensibles zwischenmenschliches Experiment, in welchem gute, respektvolle Kommunikation eine Basis unserer Zusammenarbeit darstellt und individuelle Grenzen gewahrt werden. Ob ihr als Einzelpersonen, zu zweit oder als Gruppe Kontakt zu uns aufnehmt, sei euch völlig freigestellt.

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Je nachdem wie schnell wir genügend DarstellerInnen zusammenhaben, werden im späten August oder Anfang September zwei Workshop-Tage stattfinden, an denen wir uns alle zusammen persönlich kennenlernen können, thematisch gearbeitet wird und letzten Endes das konsensuelle Drehbuch erarbeitet wird.

Mitte/ Ende September werden wir dieses dann an zwei bis drei Drehtagen filmen.

Im Oktober wird der Film geschnitten damit er bis Ende Oktober zu meiner Prüfung fertig ist.

Eine offizielle Premiere ist für November/ Dezember angesetzt.

Solltet ihr Interesse haben, bei cum as you are mitzuspielen, meldet euch gerne per E-Mail oder über das Kontaktformular der Website mit einer kurzen Beschreibung über eure Person (und/oder eure Konstellation) und bezüglich eurer zeitlichen Verfügbarkeit. Solltet ihr aus Münster, dem Ruhrgebiet oder generell NRW kommen, können wir uns gerne persönlich zu einem Vorgespräch treffen, solltet ihr weiter entfernt wohnen, bietet sich Skype an. Das Gespräch wird nur von mir geführt, es handelt sich also nicht um eine absurde Casting-Situation, sondern soll lediglich dazu dienen herauszufinden, ob wir auf einer Haltungs-Ebene kompatibel sind, um eine entspannte und offene Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Alle, die bei cum as you are mitwirken, tun dies auf ehrenamtlicher Basis.

 

Alle Bilder auf dieser Website sind Eigentum der Fotografin Lisa-Marie Fechteler.

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